Risotto mit Herz

Pseudogenesen: Zwischen magersüchtig und genesen (außerdem: Details zum Genesungsprozess)

Ich habe schon seit einer Weile das Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Wie ihr wisst, hatte ich Anorexie und dachte, ich wäre soweit genesen. Allerdings kämpfe ich nach wie vor mit Amenorrhoe (ausbleibende Regelblutung). Selbst mit Pille bekomme ich meine Periode nicht richtig.

Außerdem spüre ich, dass ich mich nach wie vor noch sehr viel mit dem Essen beschäftige. Wann esse ich was? Wenn ich jetzt XYZ esse, habe ich dann zum Abendessen wieder Hunger? Ich verbringe viel Zeit mit dem Zubereiten von Lebensmitteln.

Das liegt natürlich auch daran, dass ich aufgrund meiner Stoffwechselstörung (HPU) Weizen und Kuhmilchprodukte meiden soll. Aber trotzdem – normal ist das nicht.

Ich habe daher ein paar gute Quellen (siehe unten) zum Thema Genesung von Essstörungen erneut gelesen und festgestellt: Ich bin definitiv noch nicht genesen! Ich bin in einem Zustand, der pseudogenesen genannt wird.

Pseudogenesen

Als pseudogenesen wird der Zustand genannt, in dem eine ehemals Magersüchtige (gilt auch für Männer, aber ich beziehe das hier auf mich) wieder ein normales Körpergewicht hat und daher denkt, genesen zu sein, es aber (noch) nicht ist.

Die Symptome der Pseudogenesung sind unter anderem:

  • obsessive Gedanken übers Essen
  • starke Gelüste
  • Wunsch, viel auf einmal zu essen
  • ausbleibende oder unregelmäßige Regelblutung
  • häufiges Gefühl, aufgebläht zu sein
  • schnelle Gewichtszunahme
  • Haarausfall
  • brüchige Nägel
  • Erschöpfung
  • kalte Hände und/oder Füße

Das sind übrigens die gleichen Symptome wie die des Überlebens-/Hungermodus. Ich persönlich leide noch unter den ersten vier und den letzten beiden Symptomen.

Zwischen magersüchtig und genesen

Dieses Bild habe ich vor kurzem erst gemalt. Es zeigt, wie die Magersucht (rechts in schwarz) noch an mir zieht. Sie hält mich fest, während ich (weiß, in der Mitte) versuche, von ihr weg zu kommen. Ich versuche, zu den anderen (links, in braun) zu kommen. Um mich schwirren noch viele Gedanken (ums Essen), die durch die Magersucht ausgelöst werden und mich vom Leben ablenken. Die anderen können das nicht verstehen und wissen nicht, was sie tun sollen (daher die Fragezeichen). Sie sind hilflos.

Bedeutung

Die Bedeutung dieses Zustands ist, dass der Körper zwar nicht mehr hungert, aber auch nocht nicht genug Energie zu sich genommen hat, um die notwendigen Reparaturen vorzunehmen. Während der Magersucht (das gilt übrigens auch für stinknormale Diäten) bekommt der Körper nicht genug Energie. Darum baut er seine Fettreserven ab. Zusätzlich werden jedoch auch Muskeln und Organe angegriffen, um an Energie zu kommen.

Der Genesungsprozess

Wenn dann wieder mehr gegessen wird, baut der Korper zuerst seine Fettreserven wieder auf. Darum nimmt man zu aller erst Fett, insbesondere im Bauchraum zu. er Körper rüstet sich für die nächste Hungerperiode (Diät). Fett enthält viel Energie. Muskeln sind aktives Gewebe und verbrauchen daher Energie. Daher baut der Körper zuerst Fett auf, und das im Überfluss. Es ist ganz normal, über dem Gewicht vor der Hungerperiode zu landen.

Wenn der Körper dann regelmäßig genug Energie bekommt, wird er Muskeln auf- und etwas Fett wieder abbauen, bis er seinen Set-Point erreicht hat. Das ist die Gewichtsspanne, bei der man ohne Restriktion oder sich vllstopfen zu müssen sein Gewicht hält. In dieser Gewichtsspanne ist man am gesündesten.

Extemer Hunger

Im Rahmen der Genesung ist es normal, dass man unter extremen Hunger leidet und an einem einzigen Tag so viel isst, wie normalerweise an zwei oder drei Tagen. Das liegt daran, dass der Körper die nötigen Reparaturen an Organen, Knochen, etc. vornehmen möchte. Es ist ein ganz normales Symptom der Genesung. Jedoch macht es vielen Magersüchtigen große Angst, so dass in diesem Moment der Genesungprozess vorzeitig beendet wird.

In diesem Fall wird der Körper weiterhin signalisieren, dass er viel Energie für die entsprechenden Reparaturen benötigt. Man hat großen Hunger und denkt häufig ans Essen. Man ist pseudogenesen.

Was tun?

Wie kommt man aus diesem Zustand wieder heraus? Nun, es wird nicht überraschend sein, wenn ich das schreibe, aber leider ist es so einfach: durch Essen! Immer wenn man Hunger hat oder nur ans Essen denkt, darf man Essen. Nicht nachdenken, nicht überlegen, was dagegen spricht, jetzt etwas zu essen. Einfach nur essen. Bis man das Gefühl hat, satt zu sein und die Gedanken an das Essen weg sind.

Wichtig ist es dabei auch, das zu essen, worauf man Lust hat bzw. woran man denkt. Wenn es Pizza ist, dann iss Pizza. Ist es Kuchen, dann iss Kuchen. Sind es Nudeln oder Reis, dann iss Nudeln oder Reis. Ist es Fleisch, dass iss Fleisch. Ist es Schokolade, dann eben Schokolade. Nichts ist tabu!

Das ist sehr wichtig, denn sobald der Körper wieder das Gefühl hat, dass er nicht das bekommt, was er möchte, wann er es möchte, wird er wieder anfangen, in den Überlebens-/Hungermodus zu gehen. Dann wird er den Stoffwechsel und die Hormonproduktion herunterfahren und alle unnötigen Prozesse verlangsamen oder unterbinden. An Reparaturen denkt er dabei nicht, sonder legt eher alle Energie, die er bekommt, als Fettreserve an, denn die nächste Hungerperiode steht ja offensichtlich bevor.

Also, iss! Egal wann, egal wo, egal, was, hauptsache du hast da gerade Lust drauf. Auch wenn du vor einer halben Stunde erst gegessen hast.

Kalorienzählen regelmäßige Mahlzeiten

Gerade am Anfang im Genesungsprozess, wenn die Hunger- und Sättigungssignale noch nicht wieder richtig funktionieren, kann es hilfreich sein, Kalorien zu zählen, damit man auf jeden Fall genug Energie zu sich nimmt. Es ist aber kein Muss – wenn es wieder zu annorektischen Verhaltensweisen führt, dann lieber nicht selbst zählen. Vielleicht kann der Partner oder ein Familienmitglied oder Freund das ja übernehmen.

Regelmäßige Mahlzeiten führen dazu, dass der Körper sich wieder daran gewöhnt, regelmäßig Energie zu bekommen. Die Hungersignale kommen dann ganz von allein wieder zurück. Außerdem ist es einfacher, auf die benötigte Energie zu kommen, wenn man regelmäßig etwas isst.

Wie viel soll ich essen?

Generell natürlich so viel, wie du möchtest. Ein gewisses Minimum solltest du aber schon essen, denn sonst kann dein Körper kein Gewicht zunehmen und keine Reparaturen erledigen. Ich persönlich halte die Kalorien-Richtlinien von YourEatopia für sehr sinnvoll:

Falls du weiblich, mindestens 25 Jahre alt und zwischen 1.52m und 1,73m groß bist und und du eins oder mehrere der oben genannten Symptome des Hungermodus hast: mindestens 2500kcal täglich.

Falls du weiblich, unter 25 Jahre alt und zwischen 1.52m und 1,73m groß bist oder du männlich, über 25 Jahre alt und zwischen 1,62m und 1,83m groß bist und du eins oder mehrere der oben genannten Symptome des Hungermodus hast: mindestens 3000kcal täglich.

Falls du männlich, unter 25 Jahre alt und zwischen 1,62m und 1,83m groß bist oder du weiblich bist, kleine Kinder oder ein ähnliches unvermeidbares Maß an Aktivität hast und du eins oder mehrere der oben genannten Symptome des Hungermodus hast: mindestens 3500kcal täglich.

Diese Mindestangaben gelten auch, wenn du nur kurzzeitig (wenige Monate) untergewichtig warst und/der deine Nahrung restriktiert hast.

Ausnahme: Falls du größer bist, als oben angegeben, addiere 200kcal zu der Zahl hinzu, die zu deinem Alter und Geschlecht passt. Falls du kleiner bist, kannst du 200kcal von der passenden Zahl abziehen. Wichtig ist, dass dies Mindestangaben sind. Besser ist es, mehr zu essen, da dies den Genesungsprozess beschleunigt.

Außerdem sollte im Rahmen des Genesungsprozesses kein Sport getrieben werden, da die gesamte Energie für die Reparaturen im Körper benötigt werden.

Fazit

Es ist erstaunlich, wie unser Körper mit einem andauernden Energiemangel umgehen kann. Er fährt dabei alle unnötigen Prozesse herunter, um Energie zu sparen und holt sich Energie aus den Fettreserven, aber auch aus Muskeln und Organen.

Wenn die Hungerperiode beendet ist, benötigt er extrem viel Energie, um die Fettreserven wieder aufzubauen. Dabei legt er, solange er „dem Frieden nicht traut“, mehr Reserven an, als es vielleicht nötig wäre. Bei andauernder ausreichender Energieversorgung baut er diese jedoch später wieder ab.

Weiterhin wird viel Energie zur Reparatur des Muskulatur, Knochen und Organe benötigt. Daher kann es im Rahmen der Genesung zu sogenanntem extemen Hunger kommen, wo an einem einzigen Tag so viel gegessen werden kann, wie normalerweise an zwei oder mehr Tagen.

Wichtig ist es, dem Körper das zu geben, wonach er verlangt: Energie! Und das, ohne sich verrückt zu machen, denn dieser Prozess ist normal und geht vorbei.

Kalorienzählen und regelmäßige Mahlzeiten können dabei helfen, auf die nötige Engergie zu kommen.

Wie viel Energie mindestens benötigt wird, hängt von Alter, Geschlecht, Größe und Lebensumständen ab. Sport ist in jedem Fall zu vermeiden, da dadurch dem Körper weniger Energie zur Verfügung steht.

Für meine Situation gibt es daher nur eins: essen, essen, essen. Und zwar immer, wenn ich Hunger habe. Das, worauf ich Lust habe (im Rahmen von HPU). Egal wann. Auch wenn ich dadurch weiter zunehme. Meine Gesundheit ist es mir wert.

Ich bin gespannt, ob ich es schaffe und was für Resultate das bringt. Ich hoffe sehr, meine übermäßigen Gedanken ans Essen loszuwerden und meine Periode wieder zu bekommen. Kritisch sehe ich jedoch, dass ich nicht alles essen kann, da mir meine HPU-Erkrankung da doch einige Einschränkungen macht.

Quellen

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2 Gedanken zu “Pseudogenesen: Zwischen magersüchtig und genesen (außerdem: Details zum Genesungsprozess)

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