Intuitiv studieren: Was die Unlust zu lernen mit verdreckten Geldscheinen zu tun hat.

Jeder Student kennt es: je näher man der Klausurphase kommt, desto ordentlicher und sauberer ist die Wohnung. Die Spezies „Student“ neigt zu „Aufschieberitis“. Und beim Gespräch mit den Kommilitonen: „Eigentlich müsste ich ja lernen, aber…“.

Genau so geht es mir gerade. Ich müsste eigentlich die Verteidigung meiner Masterarbeit vorbereiten, habe aber keine Lust.

Ich, der perfektionistische Student

Es gibt jedoch einen Unterschied zwischen mir und dem Student aus dem oben genannten Vorurteil. Ich bin ein kleiner Perfektionist und würde am liebsten Tag und Nacht für eine Prüfung lernen. Bloß keine Möglichkeit lassen, etwas nicht zu wissen. Mit Wissenslücken könnte ich gar nicht umgehen. Schon der Gedanke, eine Frage nicht beantworten zu können macht mich verrückt.

Das führt meist dazu, dass ich kurz vor der Klausur einfach keinen Bock mehr aufs Lernen habe. Das liegt aber nicht an fehlender Motivation, sondern daran, dass ich schon fast zu viel gelernt habe – Perfektionist eben! Ich kann den Lernstoff einfach nicht mehr lesen, so gut beherrsche ich ihn schon!

Das Lernen ist dann unglaublich anstrengend (noch mehr als sonst). Ich muss mich extrem aufraffen und der Gedanke an eine gut laufende Prüfung motiviert mich nicht (mehr). Es ist einfach nur schwer und mühsam.

Grund: Selbstwert

Wenn ich nun mein eigenes Verhalten betrachte, überlege ich, warum mir das immer wieder passiert. Was geschieht denn im schlimmsten Fall? Ich weiß eine Frage nicht. Na und, sagst du nun vielleicht. In meinem Kopf tickt es aber meist anders. Ich denke, ich bin weniger wert, wenn ich nicht alles weiß.

Und genau das ist ganz großer Quatsch. Meine Mutti hat mir mal eine tolle Analogie erzählt. Stell dir vor, man bietet dir einen 500€-Schein an. Den würdest du doch bestimmt nehmen, oder? Und nun stell dir vor, der Schein wird in den Schlamm geworfen und dir dann erneut angeboten. Willst du ihn immer noch haben? (Also ich schon. 😉 )

Genau so verhält es sich mit unserem Selbstwert. Wenn wir etwas nicht können, werden wir vielleicht kurz in den Schlamm geworfen, aber unser Wert ändert sich dadurch nicht.

Die Alternative: Lernen nach dem Pareto-Prinzip

Das so genannte Pareto-Prinzip, auch „80/20-Regel“ genannt, stammt von dem italienischen Wirtschaftswissenschaftler Vilfredo Pareto. Er entdeckte, dass 20% der italienischen Bevölkerung 80% des Staatsvermögens besaßen.

Was bedeutet das nun fürs Lernen? Ganz einfach: 20% des Aufwands Machen 80% des Ergebnisses aus. Auf diese 20% darf man sich konzentrieren, insbesondere, wenn die Zeit knapp ist.

Für die restlichen 20% des Ergebnisses benötigt man 80% des Arbeits- oder Zeitaufwands. Klingt furchtbar anstrengend, oder? Um ein perfektes Ergebnis zu erreichen braucht man dann wohl auch 100% des Aufwands.

Möglichst „leicht“ soll’s sein…

Meine Psychologin sagte einmal zu mir, dass ich es mir leicht machen soll. Übertragen auf das Pareto-Prinzip bedeutet das, dass 20% des Aufwands ausreichen um ein gutes Ergebnis zu erzielen. Und diese 20% schafft man locker („leicht“). Sie kosten kaum Mühe. Je besser (perfekter) das Ergebnis sein soll, desto mehr Mühe muss aufgebracht werden und das macht die Aufgabe schwer.

Ich möchte nun auf keinen Fall sagen, dass wir immer nur 20% für etwas arbeiten sollen. Ich denke aber, dass es wichtig ist, das gewünschte Ergebnis zu betrachten und danach abzuschätzen, wie viel Aufwand man dafür aufbringen muss. Wenn 80% reichen, warum sollte man sich dann mit Kleinigkeiten abmühen? Oder, auf das Klausur-Beispiel bezogen, wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kleinigkeit xyz überhaupt gefragt wird? Und wie viel trägt es zur Gesamtnote bei?

Fazit

Für meinen Vortrag habe ich festgestellt, dass es anfing, „schwer“ zu werden, sobald der erste Entwurf für meine Präsentation stand. Ich habe also 80% des Ergebnisses mit 20% des Aufwands abgedeckt. Um nun ein 100%iges (perfektes) Ergebnis zu erreichen, müsste ich noch vier Mal so viel Arbeit aufwenden wie bisher. Kein Wunder, dass meine Motivation da nicht ganz so groß ist. Insbesondere im Hinblick auf das Ergebnis – den Anteil, den diese Präsentation auf meine Abschlussnote haben wird.

Von daher höre ich in dieser Hinsicht wenigstens dieses Mal auf meinen Körper, der mir klar signalisiert, dass ich genug gemacht habe. Ein paar Kleinigkeiten werde ich natürlich trotzdem noch verbessern. So ganz kann ich den kleinen Perfektionisten in mir eben doch nicht abstellen 🙂 .

Und, wie sieht es bei dir aus? Was für Erfahrungen hast du beim Lernen oder Arbeiten an einem Projekt gemacht? Sind die letzten 20% immer zwingend notwendig? Wie erging es dir, wenn du sie nicht angestrebt hast? Wie viel schlechter war das Ergebnis?

 

Mehr zum Pareto-Prinzip: https://www.absolventa.de/karriereguide/zeitmanagement/pareto-prinzip

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