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Hämopyrro… was? – Teil I: Die Fakten

Wie geht es dir? Bist du fit? Oder oft müde und abgeschlagen? Glaubst du, andere sind leistungsfähiger als du? Kannst du dich an deine Träume erinnern? Hast du einfach nur das Gefühl, dass bei dir gesundheitlich irgendetwas nicht stimmt?

Die Ausgangssituation

Mir ging es so. Ich kann mich schon länger daran erinnern, dass ich nicht viel Stress vertrage. Alle anderen konnten vierzig Stunden pro Woche arbeiten und ich war schon mit dreißig überfordert.

Hinzu kommt, dass ich schon seit über fünf Jahren keine Periode mehr habe. Somit kann ich nicht nur keine Kinder bekommen, sondern mein Körper gibt mir auch ein deutliches Zeichen, dass hormonell etwas nicht stimmt.

Geträumt habe ich übrigens schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

Meine Mutter hatte ähnliche Beschwerden wie ich und hat sich daher belesen. Sie machte mich auf die Entgiftungsstörung namen HPU aufmerksam.

HPU – was ist das?

HPU steht für Hämopyrrolaktamurie und bedeutet, dass der Körper bei der Synthese des roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) Probleme hat. Es kommt daher zur Störung bei der Bildung von Häm.

Hämoglobin versorgt unser Blut mit Sauerstoff, während Häm für die Versorgung der Muskulatur zuständig ist. Dort wird es für die Energieversorgung und die Entgiftung gebraucht.

Bei HPU wird neben „richtigem“ Häm auch eine bestimmte Menge „falsches“ Ham gebildet, welches schädlich für den Körper ist, sobald es sich ablagert. Somit hat der Körper nicht nur zu wenig „richtiges“ Häm zum Entgiften zur Verfügung, sondern er muss auch noch das „falsche“ Häm loswerden. Dazu bindet er es an Vitamin B6, Zink und zum Teil auch an Mangan, um es über den Urin auszuscheiden.

Daher geht über einen längeren Zeitraum eine große Menge eben dieser Vitalstoffe verloren und stehen so nicht für gesunde Körperabläufe zur Verfügung. Die körpereigene Entgiftung ist gestört.

Wenn der Körper zusätzlich noch mit externen Giftstoffen, wie beispielsweise Schwermetallen, in Kontakt kommt, entstehen Störungen und Krankheiten im Körper.

Folgen von HPU

Es ist jedoch wichtig für unsere Gesundheit, dass der Körper dauerhaft in der Lage ist, Substanzen zu entgiften. Dazu gehören Umweltgifte, Hormonbausteine, freie Radikale oder Medikamente. So kann ein längerer Kontakt mit Quecksilber unser Erbgut verändern und im schlimmsten Fall sogar unsere Mitochondrien schädigen, welche die „Kraftwerke“ unserer Zellen sind. Das kann die verminderte Belastbarkeit von HPU-Patienten auf Grund eines großen Energiedefizits erklären.

Es ist wichtig zu wissen, dass der Verlust an Mikronährstoffen so groß ist, dass er nicht allein durch Nahrung ausgeglichen werden kann.

Weil HPU so unbekannt ist, bleibt es oft auch unentdeckt und die Probleme und Symptome werden von Jahr zu Jahr schlimmer.

Entstehung und Verbreitung von HPU

HPU kann angeboren, aber auch durch akute Stressoren erworben sein. Oft tritt es familiär gehäuft auf. In solchen Familien könnte die Mutter eine Schilddrüsenerkrankung oder psychische Probleme haben. Oft wird die HPU-Veranlagung von Mutter zu Tochter weitervererbt.

HPU kann lange (sogar ein Leben lang) unentdeckt bleiben oder in der Kindheit schon ausbrechen. Oft gibt es einen akuten Auslöser.

Man geht davon aus, dass über jede zehnte Frau von HPU bestoffen ist, bei den Männern ist es ca. 1%. Bei chronisch Erkrankten ist die Zahl vermutlich noch höher.

Typische Beschwerden bei HPU

HPU kann bei allen (Stoffwechsel-)Prozessen auftreten, die den Sauerstofftransport, die Entgiftung der Leber, Muskelbildung oder Verhaltensstörungen beinhalten.

Typische Beschwerden sind:

  • morgendliche Übelkeit / Schwangerschaftsübelkeit
  • blasses Gesicht
  • weiße Flecken in den Fingernägeln
  • Schwangerschaftsstreifen
  • Erschöpfung
  • Anämie (Blutarmut)
  • keine Erinnerung an Träume
  • Stress wird schlecht vertragen
  • schlechtes Kurzzeitgedächtnis
  • Licht- und Geräusch-Überempfindlichkeit
  • verminderte Muskelbildung
  • Unterzuckerung (Hypoglykämien)
  • Allergien und Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Entzündungen des Magen-Darm-Traktes, Reizdarm

HPU und andere Krankheitsbilder

HPU ist oft auch an anderen Krankheiten beteiligt. Dazu gehören unter anderem:

  • Schilddrüsenüber- und unterfunktion
    Migräne
  • Ängstlichkeit, Stimmungsschwankungen, Depression, bipolare Psychosen, schizophrene Psychosen, Autismus, Panikstörungen
  • ADS / ADHS
  • Abhängigkeiten von Substanzen
  • Psychosen
  • Gelenkbeschwerden und Bandscheibenerkrankungen
  • Hashimoto-Thyreoiditis
  • primäre biliäre Zirrhose (Autoimmunerkrankung der Leber)
  • Diabetes Typ 2
  • Mitochondriopathien
  • Zyklusbeschwerden, Zyklusanomalien, PMS-Syndrom, Unfruchtbarkeit

Akute Beschwerden

Akute Symptome treten oft infolge von Stress auf, welcher das eh schon belastete System komplett überlastet. Stress kann dabei eins oder mehrere der folgenden Dinge sein:

  • Licht
  • Infektionen
  • psychischer und physischer Stress
  • Verletzungen oder Operationen (z.B. Halswirbelsäulen-Traumata)
  • Hunger-Episoden (also auch Magersucht und andere Essstörungen!)
  • Medikamente und Chemikalien, welche Aluminium, Blei oder Quecksilber enthalten

Außerdem kann HPU auch durch eine hormonelle Umstellung des Körpers auf Grund von Pubertät, Schwangerschaft oder Wechseljahre ausgelöst werden.

Feststellen der HPU Erkrankung

Toxische Belastungen können anhand von Pyrrolverbindungen im Urin nachgewiesen werden. Der dafür verwendete Kryptopyrroltest (KPU) gibt dabei nur Auskunft über die toxische Belastung, nicht jedoch über die Ursache dafür.

Im Jahr 2000 wurde ein viel genauerer HPU-Test® entwickelt, der ganz bestimmte Komplexe misst, die nur bei HPU gebildet werden nicht jedoch bei KPU. Es besteht also ein Unterschied zwischen HPU und KPU.

Empfehlenswert ist dabei der 24-Stunden-Urintest, da bei diesem jede Ausscheidung der sogenannten HPL-Komplexe gefunden wird. Wenn man beispielsweise nur abends solche Komplexe ausscheidet, könnte der Test, bei welchem nur der Morgenurin überprüft wird, fälschlich negativ ausfallen.

Der Test wird in den Niederlanden durch das Klinisch Ecologisch Allergie Centrum (KEAC) durchgeführt. Dazu bestellt man sich online kostenlos das Test-Set, bestehend aus einem großen Auffangbehälter und einem kleinen Röhrchen, welches dann am Ende aus dem Auffangbehälter aufgefüllt und den zusammen mit den Konto-Daten oder dem Geld an das KEAC geschickt wird. Das Ganze kostet ca. 80€.

HPU-Therapie

HPU wird ausschließlich mit Mikronährstoffen behandelt. Das dient dazu, die fehlenden Stoffe zu ersetzen. Dazu gehört insbesondere die aktive Form des Vitamin B6 (P5P), aber auch Zink und oft auch Mangan. Meist werden auch weitere Vitamine der „B-Familie“ supplementiert.

Es ist empfehlenswert, sich einen guten Therapeuten zu suchen, der einen bei der Wahl und Dosierung der Mittel unterstützt, damit diese optimal aufeinander abgestimmt sind. Eine Liste aller Therapeuten, die sich mit HPU auskennen, findet man auf der Website des KEAC.

In Deutschland gibt es sogar ein Präparat, welches genau die gewünschten Nähhrstoffe enthält. Es heißt B-Life Protect® und ist quasi die „Lebensversicherung“ für jeden HPUler, da es, bei positiver Diagnose, ein Leben lang eingenommen werden sollte.

Es ist wichtig, den Lebensalltag auf die Stoffwechselbesonderheit einzustellen. Dabei sollten bestehende Nahrungsmittelunverträglichkeiten beachtet und Giftstoffe vermieden werden.

Außerdem sollte man ein wenig Geduld mitbringen und dem Körper die nötige Zeit geben, mit Hilfe der benötigten Nährstoffe die versäumte Entgiftung nachzuholen. Man sollte bedenken, wie lange der Körper nicht richtig entgiften konnte und ihm die entsprechende Zeit geben, dies nachzuholen.

Das war alles recht technisch, aber ich hoffe, dass ich meinen Beitrag zum Bekannt(er)werden von HPU leisten konnte. Es gibt so viele Menschen, deren Beschwerden durch die einfache Supplementierung einiger Nährstoffe behandelt werden können. Das kann deren Lebensqualität deutlich verbessern und die Betroffenen würden sich nicht mehr (so wie ich) „falsch“ fühlen, weil sie nicht so viel leisten können wie gesunde Menschen.

Da dieser Beitrag schon recht lang ist, werde ich meine persönlichen Erfahrungen mit HPU in einem separaten Artikel schildern.

Quellen

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5 Gedanken zu “Hämopyrro… was? – Teil I: Die Fakten

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