Mut zur Veränderung – Oder: Fünf Gründe, warum ich keine Kalorien (mehr) zähle

Was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?
Vincent van Gogh

Für manche Menschen bedeutet „etwas“ riskieren, Geld auf’s Spiel zu setzen. Andere springen mit einem Fallschirm auf einem Flugzeug. Für wieder andere bedarf es Mut, eine grundlegende Veränderung in ihrem Leben zu vollziehen.

Mut zur Veränderung

Eine solche Veränderung ist es beispielsweise, schädliche Verhaltensweisen durch nützliche zu ersetzen. Meiner Meinung nach ist eine schädliche Verhaltensweise das Kalorienzählen. Ich möchte dir daher meine fünf Gründe gegen das Kalorienzählen vorstellen.

1. Niemand kann wissen wie viel Energie ich benötige

Mein Energieverbrauch ist jeden Tag anders. Er hängt davon ab, was ich mache. Wenn ich den ganzen Tag am Computer sitze und einen Bericht für die Uni schreibe, verbrauche ich weniger Energie als wenn ich den ganzen Tag aktiv bin. Der Energiebedarf meines Körpers wird bei einer 15km-Wanderung anders sein als bei einem Tag am Strand.

Aktuell arbeite ich beispielsweise auf einer Farm. Heute bin ich beispielsweise um halb acht aufgestanden, habe gefrühstückt, Schafe und Ziegen gefüttert, den Hühnern Wasser gegeben und Eier aus dem Hühnerstall geholt. Nach einer kurzen Pause habe ich anderthalb Stunden lang Hasen gefüttert. Danach war ich total ausgehungert und es gab eine einstündige Mittagspause. Danach habe ich über eine Stunde lang mit dem Spaten Disteln aus dem Ziegengehege entfernt – was meiner Meinung nach ein gutes Workout war 😉 ). Daraufhin war ich wieder ausgehungert und habe drei Bratwürste und Salat gegessen!

Ich vermute, dass ich am heutigen Tag bestimmt doppelt so viel Energie zu mir genommen habe wie an einem zu Hause, an dem ich relaxe oder für die Uni arbeite. Das liegt aber auch daran, dass ich den ganzen Tag gestanden oder mich bewegt habe und mein somit ganz klar mehr Energie benötigt als wenn ich nur sitze oder liege.

2. Kalorienangaben von Lebensmitteln sind ungenau

Der Energiegehalt von Lebensmitteln wird durch Verbrennung bestimmt. Was glaubst du, wie nah das an die Verdauungsprozesse in unserem Körper kommt? Ich weiß ja nicht, wie du es handhabst, aber ich laufe nicht als Brennofen durch die Gegend!

Die menschliche Verdauung hängt nicht nur vom Körper (Enzyme, Darmflora, etc.) ab, sondern auch von der Beschaffenheit der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen. Das gleiche Lebensmittel hat einen unterschiedlichen Energiegehalt, je nachdem ob es gekocht ist oder nicht. Außerdem müssen kalte Lebensmittel von unserem Körper erst erwärmt werden, was auch wieder Energie benötigt. Eine Kugel Eis wird dir daher netto unterschiedlich viel Energie liefern, je nachdem, ob du das Eis direkt aus dem Gefrierschrank holst oder isst, nachdem du eine halbe Stunde mit deinem besten Freund telefoniert hast.

Selbst wenn es sich um genau das gleiche Lebensmittel handelt, so gibt es trotzdem Schwankungen im Energiegehalt. Das Fleisch einer Pute hat vermutlich nicht überall gleich viel fett, wodurch der Energiegehalt einer Scheibe Putenbrust Schwankungen unterliegt. Erwischt man eine Scheibe mit mehr Fett, enthält diese Scheibe mehr Kalorien als eine Scheibe mit weniger Fett.

Man kann sich daher auf die Angaben auf den Verpackungen nicht verlassen, da sie schlicht und einfach ungenau sind. Warum sich also die Mühe machen, etwas zu zählen, was nicht mal genau bestimmbar ist? Wozu etwas zählen, wo doch netto im Körper nach der Verdauung die Zahl doch eine ganz andere ist?

3. Kalorienzählen kann zu sozialer Isolation führen

Ich kann mich noch gut an meine Zeiten des Kalorienzählens erinnern. Ich vermied es, außerhalb zu essen, da ich dort ja nicht jedes Reiskorn genau abwiegen konnte. Wie viel Öl hat der Koch zum Anbraten des Steaks verwendet? Besteht das Jogurtdressing nur aus Jogurt oder ist es mit Öl vermischt? Ist es fettarmer Jogurt oder griechischer Jogurt?

Beim Essen im Restaurant oder einer Imbissbude gibt man die Kontrolle über die Nahrungszubereitung ab. Kalorienzählen ist somit unmöglich – man könnte genauso gut auch Würfeln um die Kalorienzahl zu bestimmen.

Daher haben rigorose Kalorienzähler häufig Angst davor, außerhalb zu essen. Das kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass man sich beim Abendessen mit dem Partner nicht auf die nette Konversation konzentrieren kann, weil ich darüber nachdenkt, wie viele Kalorien das Essen hat. Im schlimmsten Fall trifft man sich nicht mal mehr mit seinen Freunden zum Essen. Wo bleibt denn da bitte der Spaß am Leben?

4. Kalorienzählen ist anstrengend

Vor gut einem halben Jahr gab es bei mir jeden Tag mittags Salat. Ich habe immer penibel darauf geachtet, immer die gleiche Menge Salat und Fleisch zuzubereiten und ich habe sogar jede Heidelbeere gezählt, die auf meinem Teller landete. Ganz ehrlich – das ist auf dauer einfach nur anstrengend und man fühlt sich wie in einem Gefängnis!

Hinzu kommt der Aufwand für die Planung der Mahlzeiten. Was esse ich morgen, übermorgen und den Tag danach? Ich habe eine ganze Weile meine Mahlzeiten bereits Tage vorher geplant und mich kleinlich daran gehalten. Es gab an Tag X eben nur die halbe Auflaufform Lasagne, auch wenn sie noch so lecker war, denn für Tag Y war die zweite Hälfte geplant. Ich glaube ich hätte die Lasagne am liebsten mit Hilfe eines Lineals geteilt, um ja sicher zu gehen, nicht an einem Tag mehr als an einem anderen zu essen.

Mahlzeitenplanung ist zeitaufwändig und nimmt jede Flexibilität. Was ist das denn bitte für eine Lebensqualität, wenn man jeden Tag das essen muss, was einem ein Plan vorgibt, auch wenn man eigentlich Lust auf etwas anderes hat? Wo bleibt denn da die Freude am Essen?

Und dann noch die ganze Zeit, die für die Planung drauf geht! In der gleichen Zeit könnte ich auch ein gutes Buch lesen, mit meiner Freundin, die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen habe, telefonieren oder mit meinem Freund kuscheln – alles Dinge, die deutlich schöner sind als Kalorien zu zählen!

5. Kalorienzählen ist nicht meine Bestimmung

Ganz im Ernst, glaubst du, wir sind auf de Welt, um Kalorien zu zählen? Denk mal an die ganzen Tiere, glaubst du, sie zählen Kalorien während sie essen? Also ich denke nicht!

Wenn du zu den Kalorienzählern gehörst, lade ich dich zu einem Gedankenexperiment ein. Stell dir mal vor, die würdest keine Kalorien zählen. Was würdest du mit der gewonnenen Zeit anfangen?

Als ich mit dem Kalorienzählen aufgehört habe, habe ich mit dem Bloggen angefangen. Schon immer wünschte ich mir, anderen Menschen zu helfen und in irgendeiner Form die Welt verbessern zu können. Das ist meine Bestimmung. Ich hoffe, dass ich mit dem Bloggen Menschen erreichen kann und sie vielleicht dazu ermutige, Veränderungen vorzunehmen, welche ihr Leben deutlich verbessern.

Voraussetzung: Mut

Um mit dem Kalorienzählen aufzuhören erfordert jedoch Mut. Es braucht Mut, die Kontrolle abzugeben und mit dem Fluss zu schwimmen. Es erfordert Mut, sich auf den eigenen Körper zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass er weiß, was und wie viel er braucht. Man benötigt Mut, um sich selbst Freiheit und Flexibilität zu gönnen und andere Aktivitäten zu finden, die einen befriedigen und das Gefühl geben, ein Sinn im Leben zu haben. Doch der Mut wird belohnt!

Das Ergebnis: Freiheit!

Seitdem ich nicht mehr Kalorien zähle, fühle ich mich unglaublich frei. Es ist so befreiend, keine Mahlzeiten planen zu „müssen“ und jede Heidelbeere abzuzählen. Ich kann mich mit Freunden zum Mittagessen treffen und mit meinem Freund ausgehen ohne mich darum zu sorgen, ob ich gerade zu viele Kalorien zu mir nehme oder nicht.

Falls du also zu den Kalorienzählern gehörst, kann ich dich nur ermutigen, es darauf ankommen zu lassen und damit aufzuhören. Die dadurch gewonne Freiheit ist viel größer als die verlorene Kontrolle. Dein Mut wird belohnt werden – da bin ich mir sicher! Und hey,was wäre das Leben, hätten wir nicht den Mut, etwas zu riskieren?

Wie geht es dir beim Thema Kalorienzählen? Hast du dich damit überhaupt schon beschäftigt oder ist es die egal? Warum zählst du Kalorien oder konntest du dich schon davon befreien? Wie geht es dir damit? Ich bin wie immer gespannt auf deine Meinung!

Quelle zur Bestimmung vom Energiegehalt von Nahrungsmitteln:
http://www.deutschlandradiokultur.de/wie-werden-kalorien-gemessen.993.de.html?dram:article_id=154387

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