Von Ziegenfütterungen und dem Hilferuf unseres Körpers – instinktives und emotionales Essverhalten

Wusstest du, dass Ziegen husten können? Ziegen sind Wiederkäuer und haben vier Mägen (einer weniger als Kühe). Sie husten beim Essen, um das einmal verdaute Heu erneut zu verdauen. Das habe ich während meines bisherigen Aufenthalts auf der Tierfarm hier in Kanada gelernt. Es ist sehr interessant, die Tiere zu beobachten. Hinsichtlich meiner Magersucht und meines Projekts „Intuitives Essen“ interessiert mich dabei vor allem das Fressverhalten der Tiere. Meine bisheringen Erlebnisse und Erkenntnisse werde ich im Folgenden schildern.

„Urgesellschaft“ – instinktives Essen

Futterzeit! Ich nehme vier Stücken Heu und gehe zum Futtertrog der Ziegen. Dabei reißen sie mir das Heu fast schon aus den Händen. Ich schaffe es, das Heu in den Futtertrog zu legen und kämpfe mich durch die hungrige Herde zurück zum Ausgang des Geheges, schließe die Tür und schaue den Ziegen beim Fressen zu.

Die Tiere reißen sich fömlich um ihr Futter. Die großen und starken Ziegen fressen zuerst und lassen den kleineren und schwächeren keinen Platz um auch an das Heu zu kommen. Diese hüpfen herum und steigen auf die großen Ziegen und versuchen alles mögliche um auch etwas Heu zu ergattern.

Während die Ziegenmütter fressen, versuchen die Ziegenbabys, etwas Milch vom Euter der Mutter zu ergattern. Das ist natürlich nicht so einfach, da die Mutter auch um ihr Fressen kämpft. Dabei wird sie auch hin und wieder beiseite gedrängt, wodurch die Ziegenkinder den Kontakt zum Euter der Mutter verlieren – was die Mutter jedoch nicht stört.

Und die Kleinen?

Bevor ich den Ziegen ihr Heu gab, habe ich den Babyziegen die Flasche gegeben (ihre Mutter ist vor kurzem verstorben). Hier habe ich die gleiche Beobachtung gemacht: anfangs kämpfen die beiden Kleinen um die Flasche und können gar nicht genug bekommen. Ich habe immer Angst, dass die Milch in der Flasche nicht ausreicht.

Sobald sich die Flasche jedoch leert, kommt ein Zeitpunkt, wo die beiden nicht mehr streiten (eins der beiden Ziegenbabys ist dann meist satt) und kurze Zeit später interessiert sie die Flasche überhaupt nicht mehr. Sie sind neugierig und spielen und laufen eher von der Flasche weg (der Instinkt nicht getreten oder geschubst zu werden?).

Das Essverhalten des Menschen

Offensichtlich wissen die Tiere genau, wenn sie Hunger haben. Sie fressen so viel und so lange bis sie satt sind und danach denken sie gar nicht mehr ans Fressen. Die Nahrung hat für sie einen hohen Stellenwert. Sie gibt ihnen Energie und Nährstoffe um zu überleben und sich fortzupflanzen – nicht mehr und nicht weniger.

Ganz anders der Mensch: Er isst zwar auch, wenn er Hunger hat, aber oft isst er mehr als er eigentlich benötigt (oder aber nicht genug). Manchmal isst er auch aus anderen Gründen, beispielsweise, wenn wenn er sich nicht gut fühlt oder sich langweilt. Das bezeichnet man als emotionales Essen.

Emotionales Essen

Viele Menschen sind sich gar nicht bewusst, dass sie emotional essen. Für diejenigen, die sich dessen bewusst sind, ist es ein Fluch. Sie denken, sie hätten nicht genug Willensstärke um ihre Diät durchzuhalten und fühlen sich schwach und wertlos.

Die andere Seite der Medaille

Ich möchte dich einladen, emotionales Essverhalten von der anderen Seite zu betrachten. Wenn wir essen, weil wir uns langweilen oder schlecht fühlen, ist das doch ein deutliches Zeichen des Körpers, dass etwas nicht stimmt. Es liegt nun an uns, was wir mit diesem Hilferuf machen. Wir können ihn ignorieren und uns mit Essen trösten. Wir können den Hilferuf aber auch hören und überlegen, was das eigentliche Problem ist.

Unser Körper schreit quasi nach Aufmerksamkeit. Schenken wir sie ihm doch. Wenn du das nächste Mal spürst, dass du etwas essen möchtest, obwohl du gar nicht hungrig bist, schenke deinem Körper die nötige Aufmerksamkeit und frage dich, was nicht stimmt? Bist du traurig? Wütend? Unzufrieden? Einsam? Müde? Aufgeregt? Hast du Angst vor etwas? Was ist es, mit dem du unzufrieden bist? Warum bist du traurig/wütend/verärgert?

Emotionales Essen als Geschenk

Wenn wir uns dem widmen, was uns eigentlich beschäftgt, braucht der Körper uns keine „merkwürdigen“ Signale zu geben und wir werden ganz von allein mit dem emotionalen (Nicht-) Essen aufhören. Wir brauchen unsere Gefühle nicht mehr wegzuessen oder -hungern.

Menschen, die emotional essen, haben eine Gabe – sie müssen nur lernen damit umzugehen. Viele Menschen beschäftigen sich nie mit ihren Gefühlen – sie laufen davon. Emotionale Esser, die das Signal ihres Körpers deuten können, wissen genau, wann es an der Zeit ist, ihr Verhalten oder ihre Entscheidungen zu hinterfragen. Kurzfristig ist das unangenehm, aber langfristig werden sie ein zufriedeneres Leben führen – da bin ich mir sicher!

Ich habe ähnliche Erfahrungen mit meinem Magen gemacht: wenn ich Magenschmerzen bekomme, weiß ich genau, dass etwas nicht stimmt. Es ist dann an der Zeit zu überlegen, was es ist. Manchmal ist es eine Entscheidung, welche ich (unbewusst) getroffen habe, die jedoch nicht gut für mich ist (Zeit, diese zu ändern!). Ein andern Mal ist es mein Verhalten, wenn ich beispielsweise mal wieder zu viel für die Uni arbeite, um die Übungsaufgaben ja perfekt zu erledigen (Zeit, loszulassen!).

Es hat fast 10 Jahre gedauert, eh ich gelernt habe, mit meinen Magenschmerzen konstruktiv umzugehen (und der Prozess dauert immernoch an!). Seitdem führe ich ein zufriedeneres Leben, da ich stärker mit meinem Körper verbunden bin. Ich spüre besser, was ich brauche und was ich lieber lassen sollte.

Fazit

Auch wenn wir wohl nie wie Ziegen ohne Gedanken und rein instinktiv Essen werden, so möchte ich dich doch ermutigen, dich mit den Signalen deines Körpers und deren Bedeutung zu beschäftigen – es lohnt sich bestimmt!

Welche Erfahrungen hast du mit mit den Signalen deines Körpers gemacht? Spürst du manchmal, dass nicht aus Hunger isst? Wie gehst du damit um? Ignorierst du es? Suchst du nach der Ursache? Ich freue mich über jeden Kommentar.

Mehr zum Thema emotionales Essen als Gabe und die Inspiration für diesen Blogeintrag findest du im Blogeintrag „How emotional eating is saving your ass.“ von Isabel Foxen Duke.

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