Der größte Dieb und warum wir ihm nackt begegnen sollten

Kein größerer Dieb als der Schlaf: Er raubt uns das halbe Leben.
(Deutsches Sprichwort)

Der Durchschnittsbritte verbringt 8:21h pro Tag mit Schlafen – das ist auf ein gesamtes Leben gerechnet mehr als ein Drittel unserer Lebenszeit! Die Dauer sagt jedoch noch lange nichts über die Qualität aus: man kann noch so lange schlafen, fühlt sich am nächsten Morgen aber trotzdem müde und kaputt. Es gibt viele Möglichkeiten, die Qualität des Schlafs zu verbessern. Die Anschaffung einer guten Matratze, die Abdunklung des Raums, feste Schlaf- und Aufwachzeiten, sowie das Vermeiden von Kaffee, Alkohol und Fernsehen vorm Zubettgehen sind nur einige davon. Eine weitere ist, nackt zu schlafen.

Die wichtigsten Vorteile des Nacktschlafens

1. Besserer und tieferer Schlaf

Ein guter Schlaf hängt unter anderem von der Raumtemperatur ab. Optimal ist eine Temperatur zwischen 16 und 20°C (60 und 68F). Eine 2008 veröffentlichte Studie fand heraus, dass bei dieser Temperaturspanne der Körper am besten in der Lage ist, die Körpertemperatur in Vorbereitung auf den Schlaf zu senken. Dazu zogen die Teilnehmer der Studie Thermoanzüge an, die die Hauttemperatur um weniger als 1°C senkten ohne die Körpertemperatur zu beeinflussen. Dadurch wachten die Teilnehmer nachts seltener auf und verbrachten prozentual mehr Zeit in der dritten und vierten Schlafphase (Non-REM-Phase und Tiefschlafphase).

Wenn uns zu warm ist, kann die optimale Körpertemperatur nicht erreicht werden, was zu Unruhe und Schlaflosigkeit führen kann. Wenn du nackt schläfst, verhinderst du, dass dein Körper überhitzt, was zu einem besseren Nachtschlaf führt.

2. Bessere Partnerschaft und besserer Sex

Mit dem Partner nackt in einem Bett zu schlafen kann zu einer Ausschüttung des „Liebeshormons“ Oxytocin führen. Oxytocin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Bindung zu unserem Partner spielt. Es wird hauptsächlich bei Umarmungen und Küssen ausgeschüttet, aber auch bei Sex, Geburt und Stillen unserer Babys.

Vor allem bei Kontakt über die Haut reagiert unser Körper besser auf sexuelle Reize. Das führt angeblich zu einem besseren Orgasmus und bekämpft zugleich Stress und Depressionen, da der Cortisolspiegel und Blutdruck gesenkt und Entzündungen im Darm gehemmt werden.

Eine vor kurzem veröffentlichte Studie zeigte auf, dass Nacktschlafen physische und emotionale Intimität bei Paaren verbessert. Das liegt laut der Studie an der weichen Oberfläche des Betts und dem Haut-zu-Haut Kontakt (z.B. Massage, Sex, Kuscheln) und soll zu einer glücklicheren Partnerschaft führen.

Außerdem ist praktisch gesehen die Wahrscheinlichkeit, Sex zu haben, erhöht, da man sich nicht mehr so lange mit dem Entkleiden aufhalten muss 😉 . Ich denke, ich bin nicht die erste, die behauptet, dass ein Orgasmus durchaus eine Schlaftablette ersetzen kann, oder?

3. Jüngeres Aussehen und bessere Gesundheit

Der so genannte „Schönheitsschlaf“ ist keine Lüge. Wenn die Raumtemperatur nicht mehr als 21°C beträgt, können die Anti-Aging Hormone Melatonin und Wachstumshormon am besten arbeiten. Wenn die Körpertemperatur zu hoch ist, kann der Körper sich nicht genug abkühlen und unterbricht die Ausschüttung der beiden Hormone.

Dunkelheit stimuliert die Ausschüttung von Melatonin, welches für die leichte, aber wichtige Abkühlung des Körpers verantwortlich ist. Das führt zur Ausschüttung des Wachstumshormons. Beide Hormone funktionieren bei niedrigeren Temperaturen besser und ermöglichen es dem Körper, sich zu regenerieren, was zu schöneren Haaren und klarerer Haut führt.

Das Wachstumshormon, welches von der Hypophyse (Hirnanhangdrüse) produziert wird, ist für das Wachstum von Kindern und Jugendlichen verantwortlich. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Regulation der Körperkomposition (Verhältnis von Muskeln und Fett), Körperflüssigkeiten, Muskel- und Knochenwachstum, Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel und möglicherweise auch der Herzfunktion. Wenn dein Wachstumshormon richtig arbeitet, hast du eine gesunde Knochendichte, beschädigte Zellen werden repariert und Muskeln aufgebaut, dein Risiko, an Diabetes oder Herzleiden zu erkranken, sinkt, dein Körpergewicht wird ganz natürlich reguliert und das Wachstum deiner inneren Organe und dein Immunsystem werden stimuliert.

Eine 2012 veröffentlichte Studie fand heraus, dass die Leistungsfähigkeit von Athleten durch ausreichend tiefen und erholsamen Schlaf aufgrund der Ausschüttung des Wachstumshormons verbessert werden kann.

Laut einer Studie von 2010 ist die Wahrscheinlichkeit an Diabetes oder Herzleiden zu erkranken bei Menschen, die nachts weniger als sechs Stunden schlafen, drei mal so hoch wie bei Menschen, die nachts länger schlafen.

In einer weiteren Studie fanden Forscher heraus, dass bei Menschen mit normalem oder hohem Blutdruck während des Schlafs der Blutdrucks um 20-30% und die Herzrate um 10-20% verringert ist.

Energielosigkeit, reduzierte Stärke und Muskelmasse, Gewichtszunahme, trockene Haut oder psychische Krankheiten wie Angststörungen, Depressionen oder Traurigkeit sind unter anderem Symptome eines Wachstumshormondefizits – und zugleich Grund genug, um sich gut mit seinem Wachstumshormon stellen, meinst du nicht auch?

4. Bessere Körperkomposition

Ein guter Nachtschlaf ist das beste Mittel gegen Stress, welcher sich auf unsere Körperzusammensetzung auswirkt. In der Nacht steigt die Produktion des Wachstumshormons, während die Produktion von Cortisol, dem Stresshormon, sinkt. Zwischen 22:00 Uhr und 2:00 Uhr, wenn wir uns ausruhen, sollte der Cortisolspiegel am niedrigsten sein (da wir ja keinem Stress ausgesetzt sind). Die Cortisolproduktion beginnt gegen 4:00 Uhr um uns auf den kommenden Tag vorzubereiten. Morgens gegen 6:00 Uhr ist der Cortisolspiegel am höchsten – genau die richtige Zeit, um aufzustehen und mit neuer Energie in den Tag zu starten (Meiner Erfahrung nach scheint für manche Menschen dieser Zeitpunkt etwas später zu sein 😉 ).

Wenn wir nicht gut schlafen, wachen wir möglicherweise mit einem ungewöhnlich hohen Cortisolspiegel auf. Das führt zu einem gesteigerten Appetit und vermehrte Lust auf energiedichte Lebensmittel (beispielsweise Kuchen und Kekse), was die Wahrscheinlichkeit des Überessens steigert. Außerdem ist die Fettverbrennung gestört, was die Wahrscheinlichkeit, Bauchfett anzusetzen, erhöht.

Ein erhöhter Cortisolspiegel schwächt außerdem das Immunsystem, erhöht den Blutdruck und Cholesterinspiegel, stört unseren Schlafrhythmus, senkt die Libido und kann zu anderen gesundheitlichen Problemen wie PMS, Unfruchtbarkeit, Schilddrüsenerkrankungen und ungewöhnlichen Blutzuckerwerten führen. Das liegt an dem so genannten Fight-or-Flight („Kampf oder Flucht“) Reflex, der neben einem erhöhten Cortisolspiegel auch durch eine Ausschüttung von Adrenalin gekennzeichnet ist. Das führt zu einem Energieschub, der aus evolutionärer Sicht auch Sinn ergibt: Wenn ein Urzeitmensch einen Säbelzahntiger trifft, hat er nur zwei Möglichkeiten: Kampf oder Flucht. Für beides benötigt er Energie. Diese nimmt der Körper von anderen (in diesem Augenblick unwichtigen) Körperfunktionen, wie beispielsweise dem Immunsystem. Die Idee dabei ist die, dass es im Angesicht des Säbelzahntiegers egal ist, ob man sich eine Krankheit einfängt, denn wenn man den Säbelzahntieger nicht überlebt, spielt eine Infektion auch keine Rolle mehr. Das unmittelbare Überleben steht im Vordergrund. Dieser Reflex als Reaktion auf unsere Lebensweise ist die Ursache des bei vielen Menschen chronisch erhöhten Cortisolspiegels. Nur tarnt sich der Säbelzahntieger heutzutage als Stau in Kombination mit Termindruck, ständige Erreichbarkeit durch Computer und Handy und ein Ungleichgewicht von Arbeit und Freizeit („Work-Life Balance“).

5. Schutz der Geschlechtsorgane

Frauen haben oft die Befürchtung, dass Nacktschlafen unhygienisch (vor allem für die Vagina) ist. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Bakterien fühlen sich besonders in einer feuchten, warmen Umgebung wohl. Wenn Frau nackt schläft, zirkuliert die Luft um die Vagina herum mehr (Entschuldige die technische Beschreibung 😉 ), wodurch die Vagina „trockener“ bleibt. Das wiederum verringert die Wahrscheinlichkeit einer Pilzinfektion.

Für die Herren der Schöpfung verbessert das Nacktschlafen die Fruchtbarkeit da die Temperatur der Hodensäcke niedriger bleibt. Die Temperaturregulation ist übrigens auch der Grund, warum die Hodensäcke, welche die Spermien enthalten, außerhalb des männlichen Körpers sind und nicht, wie bei manch anderen Tieren, innerhalb. Wenn du dich mehr für die evolutionionäre Entwicklung des Geschlechtsverkehrs bei Menschen interessierst, empfehle ich dir das Buch „Sex At Dawn“ von Christopher Ryan. Leider gibt es keine deutsche Version, aber hier findest du ein Interview der Zeitung „Die Welt“ mit Christopher Ryan.

6. Gesteigertes Selbstbewusstsein

Wenn wir nackt sind, werden wir gezwungen, uns mit unserem eigenen Körper auseinanderzusetzen. Das kann im besten Fall dazu führen, dass wir Frieden mit ihm schließen und uns wohl in unserer eigenen Haut fühlen. Und wenn wir uns wohl in unseren eigenen Haut fühlen, sind wir weniger anfällig für die Nachrichten und Bilder, die uns die Medien über den „perfekten Körper“ (den es in der Realität gar nicht gibt) vermitteln. Das macht uns zufriedener und selbstbewusster!

Weitere Gründe fürs Nacktschlafen

(Bitte das Lächeln beim Lesen nicht vergessen! 😉 )

7. Praktikabelität, Geldersparnis und Umweltschutz

Es ist offensichtlich, dass man sich das abendliche (und morgendliche) Umziehen sparen kann (Praktikabelität). Außerdem muss man sich keine Schlafanzüge kaufen (Geldersparnis). Wenn man nackt schläft, wird man möglicherweise die Bettwäsche häufiger waschen, aber bei weitem nicht so oft, wie man Pyjamas waschen würde (Geldersparnis und Umweltschutz).

8. Aktiverer Lebensstil

Kennst du das nicht auch: du kommst nach einem langen Arbeitstag nach Hause, ziehst deinen Schlafanzug an und nutzt das als Ausrede, um nicht mehr aus dem Haus gehen zu müssen? Genau genommen führt das dazu, dass du mehr (vor dem Fernseher) sitzt als dich (draußen) zu bewegen. Dieser sesshafte Lebensstil kann zu einer Gewichtszunahme führen – ich sage nur „Sitting is the New Smoking“ („Sitzen ist das neue Rauchen“)!

Also, bleib in deinen Alltagsklamotten und sei aktiv – auch wenn es nur ein kurzer Spaziergang ums Haus ist (frische Luft hilft neben Bewegung mit Sicherheit auch dabei, gut zu schlafen! 🙂 )!

9. (Bewegungs-)Freiheit

Stell dir doch mal das Gefühl vor, nackt im Bett zu liegen. Keine zwickende Unterhose, kein einschränkender BH. Nur du zwischen Bettlaken und Bettdecke. Wenn das nicht der Inbegriff von Freiheit ist, dann weiß ich auch nicht weiter!

10. Geringere Wahrscheinlichkeit Fußpilz zu bekommen

Ja, du hast richtig gelesen – Nacktschlafen kann dabei helfen, Pilzinfektionen, wie z.B. Fußpilz, zu verhindern. Während des gesamten Tages sind unsere Intimzonen, wie Achselhöhlen und Füße, eingepackt und eingeengt, auch im Sommer. Wenn wir nackt schlafen, geben wir diesen Bereichen die Möglichkeit, auszulüften und zu atmen. Das reduziert das Risiko, an Hautkrankheiten wie beispielsweise Fußpilz zu erkranken, die durch feuchte, beengte Haut begünstigt werden.

Probier es aus!

Du siehst, dass Nacktschlafen einige Vorteile bietet:

  • besserer und tieferer Schlaf
  • bessere Partnerschaft und besserer Sex
  • jüngeres Aussehen und bessere Gesundheit
  • bessere Körperkomposition
  • Schutz der Geschlechtsorgane
  • gesteigertes Selbstbewusstsein
  • Praktikabelität, Geldersparnis und Umweltschutz
  • aktiverer Lebensstil
  • (Bewegungs-)Freiheit
  • geringere Wahrscheinlichkeit Fußpilz zu bekommen

Meine persönliche Erfahrung mit nackt schlafen ist, dass ich beim Schlafen schon immer weniger Klamotten, dafür aber eine dickere Bettdecke bevorzugte – in dem Zusammenhang scheint meine Intuition und mein Körperbewusstsein gut zu funktionieren. Ganz nackt zu schlafen fand ich bisher jedoch immer unangenehm, da ich mich dabei schutzlos fühle.

Daher kann ich nachvollziehen, dass sich nicht jeder wohl dabei fühlt, nackt zu schlafen. Ich denke jedoch, dass es eine Gewöhnungssache und daher einen Versuch wert ist. Nach dem 21-Tage-Prinzip dauert es 21 Tage, bis man sich eine neue Gewohnheit angeeignet hat. Was hälst du davon, probehalber 21 Tage lang nackt zu schlafen und dann zu entscheiden, ob du es magst oder nicht? Meiner Meinung nach wäre das auf jeden Fall einen Versuch wert – der Qualität des Schlafs und somit der Gesundheit zu liebe!

Wie immer bin ich neugierig, was du über das Thema „nackt schlafen“ denkst. Wirst du es ausprobieren? Tust du es bereits und hast gute Erfahrungen damit gemacht? Ich freue mich über jeden Kommentar, auch wenn ich bei diesem (zugegeben sehr intimen) Thema verstehe, wenn du deine Gedanken lieber für dich behälst.

Quellen

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