Meditation? Ich kann doch aber nicht so lange still sitzen!

In der amerikanischen Fitnesswelt ist Meditation gerade ein großes Thema. Jeder Personal Trainer meditiert und schwört auf die Vorteile. Meditation kann mit Sicherheit unsere Lebensumstände nicht verändern, uns aber wohl dabei helfen, mit ihnen umzugehen. Du stehst im Stau und bis spät dran? Da kann Meditation nichts machen. Du regst dich über den Stau auf? Nicht, wenn du meditierst. Zumindest laut der Fürsprecher der Meditation.

Doch was ist Meditation eigentlich? Meditation ist ein Training der Aufmerksamkeit. Beim Meditieren beobachtet man seine Gedanken und Gefühle. Ich betone: man beobachtet! Und nicht: man bewertet. Das führt dazu, dass wir unsere Gedanken und Gefühle mit einem gesunden Abstand sehen (und uns nicht so sehr verrückt machen). Außerdem hilft es uns, im Hier und Jetzt zu leben anstatt in die Vergangenheit („Hätte ich doch nur…!“) oder Zukunft („Was habe ich morgen auf Arbeit alles zu tun?“) abzuschweifen. Studien deuten darauf hin, dass Meditation den Blutdruck senkt und die Aktivierung der Hirnareale reduziert, die mit Sorgen und Unruhe assoziiert sind.

Das klingt ja alles sehr gut, denkst du jetzt bestimmt, aber wie in aller Welt soll man so lange still sitzen? Die meisten Menschen verbinden mit dem Begriff „Meditation“ das Sitzen im Lotussitz in absoluter Stille. Das ist jedoch nur eine Variante der Meditation.

Ich habe beispielsweise in Kanada die so genannte Mantra Meditation ausprobiert. Dabei konzentriert man sich auf das Hören und Sprechen (oder Singen) spiritueller Klänge („Mantras“). Ich praktiziere dabei in einer Gruppe drei Formen der Mantra Meditation:

  1. Gauranga-Nitaigaur-Atmung
  2. Japa-Meditation
  3. Kirtan

Bei der Gauranga-Nitaigaur-Atmung atmet man tief ein während man an das Mantra „Gauranga“ (sprich: „Guh-ran-ga“) denkt und während des gesamten folgenden Ausatmens das gleiche Mantra singe bzw. summt. Danach folgt das gleiche Prozedere mit dem Mantra „Nitaigaur“ (sprich: „Nie-tai-guhr“), dann wieder „Gauranga“ usw. In meiner Meditationsgruppe wird diese Meditation von einem Instrument namens „Harmonium“ begleitet.

Bei der Japa-Meditation hält man zwischen Zeigefinder und Daumen eine Kette („Beats“, englisch für Takt oder Schläge), die aus 54 Kugeln besteht (eine richtige Kette hätte insgesamt 108 Kugeln, wir nutzen aber nur eine „halbe“ Kette) . Zusätzlich gibt eine Anfangskugel, bei der man das Mantra “Gauranga“ ausspricht. Bei den normalen Kugeln sagt man jeweils das Mantra „Gopala Govinda Rama Madana Mohana“ laut. Die Kette dient zum einen dazu, dass man nicht auf die Uhr schauen muss, wie lange man schon meditiert, zum anderen hilft es dabei, sich mit allen Sinnen auf das Mantra zu konzentrieren. Man spricht und hört das Mantra und spürt die Kette. Die Augen sind dabei geschlossen (wenn man das Mantra gut kennt) oder geöffnet, wobei sie zum Lesen des Mantras von einer Karte dienen (falls man es noch nicht auswendig kann). Japa-Meditation kann man sowohl allein, als auch in einer Gruppe durchführen. Man muss dabei nicht einmal sitzen, sondern kann auch stehen oder sogar spazieren gehen.

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Der letzte Teil der Meditation nennt sich Kirtan. Dabei singt eine Person eines der bereits genannten Mantras oder das „Maha Mantra“ (Großes Mantra), welches lautet „Hade Krishna Hade Krishna, Krishna Krishna Hade Hade, Hade Rama Hade Rama, Rama Rama Hade Hade“. Darauf antwortet der Rest der Gruppe mit dem gleichen Mantra und gleicher Melodie und es entsteht ein Ruf-Antwort-Gesang.

Alle Mantras, die ich bei dieser Form der Meditation ausspreche oder singe sind unterschiediche Begriffe für Gott. Mantra Meditation ist übrigens ein Teil von Yoga, welches sich auch hervorragend zur Stressreduktion eignet. Auch hier muss man nicht still sitzen, sondern bewegt sich in bestimmten Posen, die der Yogalehrer vormacht. Der Vorteil der Bewegung ist wie bei der Mantra Meditation, dass es einem auf Grund der Bewegung leichter fällt, sich auf das Mantra (bei der Mantra Meditation) oder den eigenen Körper (beim Yoga) zu konzentrieren ohne so schnell abzuschweifen.

Heute erst habe ich in einem Podcast von einer anderen Art der Bewegung in Kombination mit Meditation gehört. Das ganze nennt sich Shrink Session und ist eine Kombination aus Bewegungen unter anderem aus Tanz, Aerobic und Kickboxen während man Mantras und positive Sätze laut ausspricht. Das soll dazu führen, dass man die positiven Sätze (beispielsweise „Ich liebe mich so wie ich bin.“ oder „Ich bin meine eigene beste Freundin und ich bin außerdem eine Freundin für die ganze Welt“) mit den Bewegungen assoziiert und sie sich dadurch besser verinnerlichen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, man sich durch die Konzentration auf die Sätze nicht damit beschäftigen kann, was denn die anderen von einem denken, wenn man Schritt X oder Bewegung Y nicht korrekt ausführt. Die Erfinderin Erin Stutland sagst selbst, dass, wenn man als einziger die Bewegung nach links macht, während alle anderen sie nach rechts machen, man sich doch bitte besonders gut dabei fühlen soll (denn der Fokus liegt ja auf den Sätzen).

Gut an dieser Art Bewegung finde ich, dass Selbstliebe und körperliche Aktivität miteinander verbunden werden. Was mir nicht so gut gefällt, ist die „Workout“-Mentalität, die ich der Art der Shrink Sessions entnehme. Das Ziel besteht also nicht nur (also nur nebensächlich?) darin, liebevoll mit sich selbst umzugehen, sondern darin, Sport zu treiben (Kalorien zu verbrennen?). Trotzdem denke ich, dass es ein guter Ansatz für Menschen ist, die sich nicht vorstellen können, eine halbe Stunde lang still zu sitzen. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit für Sportfreaks eine „Sportart“ zu betreiben, die „nebenbei“ auch noch gut für die Seele ist.

Du siehst also, du musst nicht still sitzen, um etwas für dich und deine Seele zu tun. Ich kann dir nur empfehlen, in irgendeiner Form zu meditieren, auch wenn es „nur“ das viertelstündige Entspannen mit Hilfe deiner Lieblings-CD ist. Mit geht es jedenfalls nach der Meditation immer richtig gut und ich fühle mich energiegeladen und geerdet.

Was hälst du von Meditation? Meditierst du selbst? In welcher Form? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Deine Meinung interessiert mich! Wenn du Lust hast, schreib mir doch einen Kommentar!

Quellen:

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2 Gedanken zu “Meditation? Ich kann doch aber nicht so lange still sitzen!

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